Nierenarteriendenervation

Interventionelle Therapieoption bei therapieresistentem Bluthochdruck

Was ist eine Nierenarteriendenervation?

Bluthochdruck (Arterielle Hypertonie) ist ein häufiges Krankheitsbild: Systolischer bzw. diastolischer Blutdruck gelten laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) dann als erhöht, wenn dauerhaft Werte von ≥140 mmHg bzw. ≥90 mmHg gemessen werden. Ein chronisch erhöhter Blutdruck steigert das Risiko von weiteren Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems (u.a. Schlaganfall, koronare Herzkrankheit) beträchtlich. In Europa leiden ca. 50% der Bevölkerung an Bluthochdruck, Deutschland steht u.a. bei der Schlaganfallhäufigkeit mit an der Spitze.

Ein wesentliches Ziel zur Vermeidung solcher Krankheiten besteht darin, das kardiovaskuläre Gesamtrisiko zu verringern. Die Senkung des Bluthochdruckes als auch die Identifizierung und Behandlung aller anderen therapeutisch beeinflussbaren (individuellen) Risikofaktoren (z.B. Übergewicht, Bewegungsmangel) sind dabei äußerst wichtig.

Die Senkung des Blutdruckes wird derzeit durch eine rein medikamentöse Therapie erreicht. Kann der Zielwert trotz dreifacher antihypertensiver Therapie nicht erreicht werden, spricht man von einer therapieresistenten Hypertonie.

Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass auch wenn keine diagnostizierbare Nierenerkrankung vorliegt, Bluthochdruck von Stressnerven der Nieren ausgelöst werden kann. Diese Stressnerven geben Signale an das Gehirn weiter in deren Folge blutdrucksteigernde Hormone ausgeschüttet werden. Dies kann einer medikamentösen Blutdruckregulierung entgegenwirken.

Die Nierenarteriendenervation, ein altes, aber neu entwickeltes Therapieverfahren, wirkt diesem Mechanismus entgegen: die sympathischen Nervenfasern um die Nierenarterien werden über einen Katheter verödet (denerviert). Als Folge  werden weniger Signale zur Ausschüttung blutdrucksteigernder Hormone an das Gehirn gesendet und der Blutdruck des behandelten Patienten sinkt.

Mehrere aktuelle, internationale Studien haben die Anwendung der Nierenarteriendenervation bei therapieresistenten Bluthochdruck-Patienten untersucht und deren Erfolg bestätigt.

Änderung des Blutdruckverhaltens nach Nierenarteriendenervation

Änderung des Blutdruckverhaltens nach Nierenarteriendenervation
Abb. 1: Änderung des Blutdruckverhaltens nach Nierenarteriendenervation (RDN) im Vergleich zur Kontrollgruppe nach 6 Monaten (Die Grafik wurde mit freundlicher Genehmigung von Prof. Horst Sievert, CardioVaskuläres Zentrum, Frankfurt, zur Verfügung gestellt.)
Änderung des Blutdruckverhaltens nach Nierenarteriendenervation
Abb. 1: Änderung des Blutdruckverhaltens nach Nierenarteriendenervation (RDN) im Vergleich zur Kontrollgruppe nach 6 Monaten (Die Grafik wurde mit freundlicher Genehmigung von Prof. Horst Sievert, CardioVaskuläres Zentrum, Frankfurt, zur Verfügung gestellt.)

Der Eingriff verlief in der Regel ohne besondere Komplikationen oder nennenswerte Nebenwirkungen wie sie in der medikamentösen Therapie vorherrschen. Die Nierenfunktion wurde durch den Eingriff in keiner Weise eingeschränkt. Positive Nebeneffekte der Therapie wurden beobachtet:

  • Verbesserung der Diabetes
  • Verbesserung der Herzinsuffizienz
  • Verbesserung des obstruktiven Schlafapnoesyndroms (OSAS)

Fazit: Für viele Bluthochdruck-Patienten, die täglich Medikamente nehmen müssen, bietet diese Methode eine neue Heilchance. Allerdings wird diese Technik derzeit nur bei Patienten angewendet, deren Blutdruck, trotz medikamentöser Therapie,  dauerhaft über einem Wert von ? 160 mmHg liegt. Die Studie soll nun aber auch auf Patienten mit milderer Erkrankung ausgeweitet werden.Die sichere Durchführbarkeit dieser Methode macht dieses Verfahren zu einer Therapieoption für Patienten mit schwer einstellbarer arterieller Hypertonie.Diese Therapie wird in der Rhein-Neckar-Region von unserer Heidelberger Praxisklinik für Kardiologie (HPK) angeboten.

Ablauf der Behandlung

Die Durchführung einer Nierendenervation erinnert an eine Herzkatheter-Untersuchung: Unter örtlicher Betäubung wird ein Ablationskatheter in die Leistenarterie eingeführt und über den an mindestens vier ausgewählten Punkten eine Hochfrequenzablation durchgeführt. Die Elektrode an der Spitze des Katheters sendet dazu hochfrequente Radiowellen aus, die einen lokalen Temperaturanstieg erzeugen und so das Nervengewebe punktuell veröden. Die Nierenarterie kann durch diese inaktivierten Nervenfasern nicht mehr angesteuert werden und es kommt zu einer verminderten Noradrenalin Ausschüttung.

Die Erfolgsquote der Nierenarteriendenervation ist sehr hoch, bei über 80% der behandelten Patienten sinkt der Blutdruck um durchschnittlich 30 mmHg beim oberen, systolischen Blutdruckwert (auch der untere, diastolische Wert sinkt, aber in wesentlich geringerem Ausmaß).

Dauer der Behandlung

Die Durchführung des Eingriffes dauert ca.45 Minuten.
Im Anschluss wird der Patient für 3-4 Nächte in unserer HPK untergebracht.

Risiken

Eine Nierendenervierung ist, wie jede medizinische Untersuchung, nicht völlig frei von Risiken. In diesem Fall sind Sie jedoch überschaubar: bei der Durchführung ist es möglich, das es kleinere Blutungen geben kann (die umgehend gestillt werden können) oder ein blauer Fleck auch am Tage nach dem Eingriff noch an diesen erinnert.
Mit schwerwiegendere Komplikationen oder negative Langzeitwirkungen ist nicht zu rechnen.

Kosten

Die Kosten für eine Nierendenervation werden in den meisten Fällen sowohl von den gesetzlichen als auch von den privaten Krankenkassen übernommen.

Zu beachten

Um eine Nierendenervation durchführen zu können, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Schwerer Bluthochdruck (Werte von über 140/90 mm Hg)
  • Medikamentöse Therapieversuche haben nicht die gewünschte Wirkung gezeigt und den Blutdruck nicht dauerhaft auf einen Wert von unter 140/90mm Hg gesenkt. Es müssen Therapieversuche mit mindestens 3 verschiedenen Blutdruck-Medikamenten erfolglos durchgeführt worden sein.
  • Nierenarterienstenose muss ausgeschlossen sein.